75. Formel-1-Grand-Prix

Zugegeben, ich war noch nie ein Formel 1-Fan, doch als sich mir die Möglichkeit bot, zum 75. Formel-1-Grand-Prix nach Monaco zu fahren, durfte ich mir diese Chance nicht entgehen lassen.

Ein Reisetagebuch
Gruppenbild 23.05.2017 Fahrt Monaco Am 23. Mai 2017 sollte die Reise von Köln nach Monaco starten. Um 17:30 Uhr trafen sich insgesamt sechs engagierte Rotkreuzhelfer, um den Stadtstaat für die nächsten fünf Tage unsicher zu machen und das monegassische Rote Kreuz beim Sanitätsdienst des Formel-1-Grand-Prix zu unterstützen. Vor uns lag eine rund 13-stündige Fahrt von Köln über die Schweiz durch den Gotthardtunnel nach Italien und von dort aus nach Frankreich um endlich am Morgen des 24. Mai in Monaco anzukommen.

Centre Méditérranéen d'Études Françaises
Centre Méditérranéen d’Études Françaises

Die Ankunft
Uns erwartete Monaco in Sonnenschein bei angenehmen 19° Celsius (es war schließlich noch 8:00 Uhr morgens). Nachdem die ersten Schnappschüsse der Stadt gemacht worden waren, ging es ins Stadtzentrum. Alte Freunde wurden begrüßt, anschließend ging es nach Cap d’Ail, unserem Übernachtungsort.

Nach einer kurzen Besichtigung der Räumlichkeiten und dem Einrichten der Zimmer, konnten sich alle Reisenden ein paar Stunden ausruhen. Die Ruhezeit war jedoch schon bald vorbei, denn es musste sich für den Abend frisch gemacht werden. Auf dem Programm stand die Einsatzvorbesprechung und Einweisung in den Dienst des diesjährigen Formel-1-Grand-Prix.

Einsatzvorbesprechung 75. Formel-1-Grand-Prix Monaco, Auditorium Rainier IIIDie Einsatzvorbesprechung

Gegen 18 Uhr trafen sich alle auswärtigen Helfer im Auditorium Rainier III.

Unter der Leitung von Rémi Compaoré wurden die Helfer aus Luxemburg, Belgien, Frankreich, Italien, der Schweiz, Monaco und Deutschland in das Programm und die Verhaltensweisen der kommenden Tage eingewiesen. Es würde schließlich die ganze Welt auf Monaco blicken und da sollte nichts dem Zufall überlassen werden.

Einsatzvorbesprechung 75. Formel-1-Grand-Prix mit Direktor der gerichtlichen Dienste/Justizminister Philippe Narmino (Mitte) und Innenminister Patrice Cellario (rechts)
Justizminister Philippe Narmino (Mitte) und Innenminister Patrice Cellario (rechts)

Kurz vor Ende der Einsatzvorbesprechung trafen der monegassische Innenminister Patrice Cellario und der Direktor der gerichtlichen Dienste (hierzulande vergleichbar mit dem Justizminister) Philippe Narmino ein. Sie überbrachten den Dank des Fürsten von Monaco, Albert II, für unseren Einsatz und wünschten uns für die kommenden Tage einen ruhigen Dienst.

Anschließend fand ein kurzer Umtrunk statt, bei dem der erste Austausch mit den anderen Helfern stattfand. Da es jedoch nur bis 19:30 Uhr in unserer Wohnanlage Abendessen gab, wir nun über 24 Stunden wach waren und am morgigen Tag direkt der längste Dienst auf uns warten würde, beschlossen wir gegen 19:00 Uhr wieder nach Cap d’Ail aufzubrechen.

Der erste Einsatztag

Im Laufe der Woche waren stets vier der Deutschen als Tribünentrupp und zwei als Streckenposten eingeteilt. Wer welche Aufgabe übernahm, war von den Monegassen fest eingeteilt, wechselte jedoch jeden Tag durch.

Blick auf das Casino Monte Carlo, davor die Rennstrecke.

Zusammen mit drei Kollegen war ich am ersten Tag auf Tribüne B – direkt dem Casino gegenüber – eingeteilt. Von hier aus hatte man einen super Blick auf die Strecke und konnte von einer Leinwand aus die ganzen Trainings verfolgen.

Für den Fall eines Einsatzes waren wir mit Spineboard, Rettungsrucksack samt Medikamenten und Wasser zum Ausspülen von Augen und Wunden ausgerüstet.

Der Rennplan des Tages sah wie folgt aus:

07:00 Uhr Streckenschließung
10:00 – 18:15 Uhr verschiedene Trainings und Qualifizierungen für Formel 1, 2 und Porsche Mobil 1 Supercup
19:30 Uhr Streckenöffnung

Abends fuhren wir mit monegassischen Freunden durch Menton über die französisch-italienische Grenze nach Ventimiglia zum Pizzaessen. Der Abend endete erst spät, was jedoch nicht allzu schlimm war, da der nächste Tag nur ein sehr kurzer werden würde.

Nach einer kurzen Nacht

Nach vier Stunden Schlaf, standen wir bereits um fünf Uhr auf. Nachdem wir uns um sechs Uhr zum Frühstück getroffen hatten, brachen wir gegen 06:30 Uhr auf.

Gegen 07:00 Uhr mussten wir auf unserem Posten sein. Heute war ich mit einem Kollegen am Streckenabschnitt Chicane terre eingeteilt.

Das Besondere an diesem Streckenposten ist, dass er sich zwischen zwei Fahrbahnen befindet, nur von einer Leitplanke vor den fahrenden Autos geschützt.

Auf der einen Seite des Streckenpostens, zwischen Streckenposten und Yachthafen, befindet sich die Rennstrecke. Auf der anderen Seite, zwischen Streckenposten und Häuserfront, befindet sich die Auslaufstrecke der Rennwagen, die sich in der vorherigen Kurve verbremst haben oder einfach versehentlich geradeaus gefahren sind.

Der Plan des Tages war jedoch nur sehr knapp bemessen, da die Formel-1-Fahrer frei hatten. Wir hatten am Nachmittag also Zeit für ein paar freizeitliche Aktivitäten.

06:00 Uhr Streckenschließung
08:00 – 13:20 Uhr Training der Formel Renault 2.0 Serie, Qualifizierung des Porsche Mobil 1 Supercups und 1. Rennen der Formel 2
14:00 Uhr Streckenöffnung

Am Nachmittag stand ein Ausflug nach La Turbine und Fort de la Rèvere an.

Am Abend fand ein vom monegassischen Roten Kreuz veranstaltetes Dinner im Yacht Club de Monaco statt.

Auch wenn wir uns alle sechs einig waren, dass wir schon einmal besser gegessen hatten, hatten wir ein tolles Ambiente und einen schönen Abend.

Am nächsten Tag würde das Formel 1-Qualifying auf uns warten. Bevor wir zu Bett gingen, trafen wir uns im Centre Méditérranéen d’Études Françaises jedoch noch mit den luxemburgischen Kollegen auf ein Bier – beziehungsweise für mich auf eine Fassbrause.

Vorletzter Tag und Formel-1-Qualifying

Am Samstag waren drei Kollegen und ich auf Tribüne T eingeteilt. Da der erste Tagespunkt erst um 09:00 Uhr begann, konnten wir dieses Mal sogar bis sechs Uhr schlafen.

07:00 Uhr Streckenschließung
09:00 – 17:00 Uhr 3. und letztes Training der Formel 1, Qualifying der Formel Renault 2.0 Serie, Qualifying der Formel 1 und 2. Rennen der Formel 2
18:30 Uhr Streckenöffnung

Tribüne T hatte drei verschiedene Dienstposten: T1, T3 und Pause. Interessanterweise fingen wir mit Pause an. Anschließend ging es auf Posten T1. Nach einer Stunde auf T3, nach einer Stunde in die Pause und so weiter.

Gegen Mittag wurden alle Helfer der Tribüne zusammengetrommelt und ordentlich aufgereiht. Zu unserer Überraschung kam dann Staatschef Fürst Albert II mit seiner Frau und Justizminister Philippe Narmino. Sie gaben jedem Helfer die Hand und dankten ihnen auf ihrer jeweiligen Landessprache für ihren Einsatz.

Nach diesem außergewöhnlichen Tag fand am Abend das sogenannte Bergfest für alle Rotkreuzhelfer statt. Jede Gruppierung brachte dafür kleine Geschenke für die anderen mit. Dazu gab es Köstlichkeiten aus der jeweiligen Region. Die Kölner hatten – wie sollte es anders sein – natürlich ein Fass Reissdorf Kölsch dabei!

Letzter Tag – das große Rennen

Sonntag war der letzte Tag des Formel-Eins-Grand-Prix. Neben den Rennen des Porsche Mobil 1 Supercups und der Formel Renault 2.0 Serie, stand heute das Rennen der Formel 1 – der Große Preis von Monaco – auf dem Plan.

07:00 Uhr Streckenschließung
09:45 Uhr – 16:00 Uhr Porsche Mobil 1 Supercup, Formel Renault 2.0 Serie-Rennen, Fahrerparade der Formel 1, Ehrenrunde des Fürsten und seiner Frau und Großer Preis von Monaco der Formel 1
19:30 Uhr Streckenöffnung

Heute war ich mit drei Kollegen auf Tribüne K eingeteilt. Sie ist die größte Tribüne in Monaco und fasst 2.000 Menschen. Auch hier gab es verschiedene Dienstposten. Wir fingen wieder mit der Pause an, waren dann 1 1/2 Stunden auf Posten K1, dann K3. Nach der Pause ging es zu K5 und K6.

Nachdem sich der Deutsche, Sebastian Vettel, den Sieg holte, trafen wir uns am Abend mit Kollegen aus Luxemburg und der Schweiz zu einem Abschiedsessen im Restaurant La Pinède in Cap d’Ail.

Da wir, wie an den Tagen zuvor, über den Tag hinweg nur ein Lunchpaket zur Verfügung hatten, freuten wir uns am Abend auf das Essen umso mehr.

Die Rückfahrt

Gegen 10:20 Uhr fuhren wir am darauffolgenden Tag (Montag) vom Hof unserer Unterkunft – des Centre Méditérranéen d’Études Françaises in Cap d’Ail. Nachdem wir getankt hatten, versorgten wir uns in einem französischen Supermarkt für die Fahrt. Am Autohof Bruchsal hinter Karlsruhe machten wir Rast beim McDonald’s und kamen anschließend gegen 00:35 Uhr wieder in Köln an.

Ich bin froh, diesen Einsatz mitgefahren zu sein. Es war ein tolles Erlebnis! Ich habe so viele, verschiedene, nette Menschen kennengelernt und wahnsinns Eindrücke in Monaco gesammelt. Ich bin froh, dass mir meine Mitgliedschaft im Deutschen Roten Kreuz einen solchen Austausch ermöglicht hat. Vielleicht fahre ich irgendwann (vermutlich eher nach dem Studium) nochmal mit, wer weiß…

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