BVerfG zur Studienplatzvergabe in der Humanmedizin

Das Bundesverfassungsgericht hat am Dienstag, den 19.12.2017 entschieden, dass der Numerus Clausus für das Studienfach Humanmedizin teilweise verfassungswidrig sei. Dies betreffe in erster Linie den Art. 12 GG:

(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. […]

Laut Bundesverfassungsgericht fallen Abiturnote und Ortswahl bei der Studienbewerbung zu sehr ins Gewicht. So darf zum Einen die Ortswahl nicht wichtiger als die Abiturnote sein und zum Anderen könne man z.B. ein Abitur aus Nordrhein-Westfalen nicht mit einem Abitur aus Bayern vergleichen.

Klarer Appell des Gerichts

Dass Studienplatzbewerber 14 bis 15 Semester auf einen Studienplatz warten müssen, sei der staatliche Eingriff in die freie Berufswahl. Wartesemester sollen auf acht Semester (also vier Jahre) begrenzt werden. Wie mit Leuten verfahren wird, die dann trotzdem keinen Studienplatz aufgrund mangelnder Plätze erhalten, lässt das Gericht offen. Außerdem ist es nicht gestattet, mehr Studienplätze auf die Wartezeitquote zu schieben – dies hat das Gericht untersagt.

Es muss ein weiteres Auswahlkriterium her, dass die Bewerber nicht nur an der Abiturnote misst. Ob das Bewerbungsgespräche, soziales Engagement oder ein Test sein werden, können Bund und Länder nun bis zum 31.12.2019 regeln.

Und was ändert sich jetzt?

Jetzt ändert sich erstmal gar nichts. Bund und Länder haben nun zwei Jahre Zeit, das aktuelle System zu überarbeiten und verfassungskonform zu gestalten. Die einfachste Lösung wären natürlich mehr Studienplätze; auf 9.000 Studienplätze kamen im vergangenen Wintersemester 43.000 Bewerber

Und was ist mit anderen Studiengängen?

Das Bundesverfassungsgericht hat sich in seinem Urteil explizit nur auf die Studienplatzvergabe des Studiengangs Humanmedizin bezogen. Zu den anderen zentral vergebenen Studienplätzen der Studiengänge Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie wurde sich nicht geäußert.

Bei allen anderen Studiengängen, die lediglich einen Orts-NC haben, besteht keine Einschränkung des Rechts auf freie Berufswahl, da man jederzeit in einer anderen Stadt studieren kann.

Quelle Beitragsbild: http://cdn2.spiegel.de/images/image-104405-860_galleryfree-famz-104405.jpg

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